Cristalle 'Azou' Sabon From: Cristalle 'Azou' Sabon <azundris@thepentagon.com> Subject: The Callisto according to Cristalle (ex Theatrix) Date: Apr 28, 1999 Yo Martin, Nachdem ich schon mehrmals meine Sicht der Dinge/Welt/Serie als deviant deklariert habe, denke ich, daß ein "Cristalle und wie sie die Serie sah"-Artikel angebracht ist. Zitiert aus einer heute von mir verfaßten e-mail; das ganze ist mit heißer Nadel gestrickt, über einzelne Details mag man streiten, aber im großen und ganzen bin ich reichlich überzeugt von folgenden Annahmen: ---------------------------------->8---------------------------------- > http://members.xoom.com/subtextlist/callie&xena.html Ah! Prima! :) Ich stimme nicht /allem/ zu, aber im großen und ganzen sehr ordentlich gemacht. :) Was mir fehlt, ist sind die Ambivalenzen; wichtig finde ich, daß Callisto Xena höchstwahrscheinlich nicht als Person, sondern als Symbol/Funktion begehrt; Xena als diejenige, "die die Kurve gekriegt hat", "den Absprung zur richtigen Seite geschafft hat", Xena, die eben die Ressource hat, die Callisto gerne hätte; die Möglichkeit, mit der Vergangenheit umzugehen; Xena, von der sie diese Ressource will, entweder, in dem sie sie sich abschaut, oder indem sie sich von Xenas Stärke beziehungsmäßig mittragen läßt, Xena, deren Liebe/Anerkennung ihre innere Leere füllen könnte, da, wo Callisto selbst keine Liebe findet; Xena, die als einzige in Callistos Weltmodell die Authorität hat, diese Anerkennung zu geben. Xena, der sie einerseits weh tun will, um sie abzustrafen, mehr noch dafür, daß sie die Ressource hat die Callisto nicht zur Verfügung steht, als für den Tod ihrer Eltern, andererseits aber auch, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen; sie ist verletzt und schmollt sich ein, sie führt Xena dies vor Augen, damit sie wieder gutmacht, was sie verbrochen hat, sie, die sie die einzige ist, die dazu in der Lage ist. Was den BDSM-subtext betrifft, so denke ich, daß die bereits erwähnte Richtung C->X Neid/Wut/Aufmerksamkeitsgebuhle ist (und für Xena wie auf der site erwähnt "Buße"), in der Gegen- richtung eher multiform ist. Wenn Xena mit Callisto kämpft, hat diese ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, und auch Callisto wird kurzfristig von ihrem Schmerz abgelenkt (offenbar aber nicht vollends, sonst würde sie spätestens seit sie eine Göttin ist wohl nicht verlieren können -- obgleich ich das auch eher auf Angst ihrerseits schiebe -- was, wenn sie Xena tötete, die einzige, die ihr helfen könnte? Was, wenn sie Xena tötete, und dadurch keine Erlösung fände? Was dann?); dies gilt natürlich besonders dann, wenn ihr physische oder psychische Schmerzen zugefügt werden. Es ist die einzige Möglichkeit für sie, Xena nah zu sein, da der Platz der Liebhaberin bereits besetzt ist. Als Gabrielle schließlich -- und endlich -- stirbt, eröffnen sich neue Möglichkeiten außerhalb des mehrfach fehlgeschlagenen Schemas, Hoffnung keimt (no pun intended); die Möglichkeit einer alternativen Strategie gibt Callistos Leben einen neuen Sinn. An dieser Stelle kann Callisto, die stets spielte, um zu verlieren, plötzlich nur noch gewinnen: sie würde Frieden finden; entweder in Xena oder im Tod. Dazu fällt mir der Begriff "Schlag-mich"-Spielerin ein (den ich provisorisch erst mal dem nackten Antipsychologen und Schotten R.D. Laing ("Games people play") zuschreibe), ich müßte das aber mal nachschlagen, ich hab' das Buch seit bestimmt 1o Jahren nicht mehr angefaßt... ----------------------------------8<---------------------------------- > Über den IQ (bwz. Mangel daran) von Callisto habe ich mich schon > ausgelassen. Ich sag' nur 50mal von Felsen begraben! ;-) Und ich sag' nur: das ist /Absicht/! :) Oder zumindest in Kauf genommen. Azou -- As nihilism becomes the vision, we wait in the vacuum where all is knowledge and information but where nothing is real, where all is words but with nothing to say, where all is reason and science, and we go shopping for a god and get the god of shopping --Galliano, "Was this the Time" [%@"zVndrIs]